תיאור
BAUHAUS MOVEMENT · OBJEKT & KONTEXT
Bauhaus Schach · Strategie in reiner Form
Josef Hartwig reduzierte Schach auf das Wesentliche: Bewegung wird zur Form. Jede Figur ist so gebaut, dass du ihre Zuglogik intuitiv „lesen“ kannst. Keine Ornamente. Kein historisches Kostüm. Nur Geometrie.
Genau darin liegt die Bauhaus-DNA: Klarheit zugunsten des Rezipienten, Funktion als Maßstab, und ein Objekt, das nicht dekoriert, sondern erklärt.
EDITORIAL KEY
Form folgt Zug
Josef Hartwig übersetzte das Schachspiel in ein lesbares System. Nicht Symbolik oder Tradition bestimmen die Gestalt der Figuren, sondern allein ihre Bewegung auf dem Brett.
Der Turm wird zum Würfel, der Läufer zum Diagonalkreuz, der Springer zur L-Form. Jede Figur erklärt sich aus ihrer Funktion. Du musst sie nicht kennen – du kannst sie verstehen.
Darin liegt die Radikalität dieses Entwurfs. Das Bauhaus-Schach ist kein dekoratives Objekt, sondern ein Denkmodell: Gestaltung als Mittel, um Regeln sichtbar zu machen und Komplexität zu ordnen.
Im Zusammenspiel von Brett, Figuren und Raum entsteht ein geschlossenes System, das nicht interpretiert werden will, sondern gelesen werden kann.
Bauhaus live erleben · Bauhaus ExperienceKurzprofil
Hartwigs Bauhaus-Schach (Weimar, 1923) ist kein „dekoratives“ Spielobjekt, sondern ein didaktisches Modell: Du sollst Schach lesen können. Statt historischer Figuren-Symbolik setzt Hartwig auf Geometrie, die unmittelbar mit der Zuglogik verknüpft ist. Dadurch wird Schach nicht einfacher – aber verständlicher, weil Form zur Anleitung wird.
Das Prinzip ist konsequent: Jede Figur ist so konstruiert, dass ihre Bewegungsrichtung und Reichweite im Körper „sichtbar“ wird. Turm und Läufer lassen sich als Gerade und Diagonale denken, der Springer als L-Bewegung. Diese Reduktion ist Bauhaus im Kern: Methode vor Stil, Klarheit vor Ornament, Funktion als Maßstab.
Entscheidend ist auch die Beziehung zum Brett: Die Figuren wollen keinen Kontrast „spielen“, sondern als geschlossenes System mit der Rasterlogik der Spielfläche harmonieren. Das macht das Set zu einem Objekt, das im Raum wirkt wie eine kleine Architektur: streng, ruhig, moduliert. Die Botschaft ist leise, aber eindeutig: Gestaltung kann Wissen transportieren – ohne Erklärungstext, nur über Form.
Wenn du heute eine autorisierte Edition siehst, ist wichtig zu wissen: Der Entwurf stammt aus 1923, spätere Editionen wurden als Re-Editionen produziert (u. a. von Naef als Remake). Das erklärt, warum in Sammler- und Museumszusammenhängen oft zwischen historischem Entwurf und späterer Fertigung unterschieden wird.
- Entwurf: Josef Hartwig, Bauhaus Weimar, 1923.
- Prinzip: Zuglogik wird zur Form (Geometrie als Anleitung).
- Didaktik: Objekt als Lernsystem, nicht als Illustration von Macht/Hofstaat.
- Ästhetik: Strenge Harmonie mit dem Brett-Raster; „kleine Architektur“ im Maßstab.
- Editionen: Spätere Re-Editionen/Remakes (z. B. Naef) unterscheiden sich vom historischen Kontext des Entwurfs.
Design & Funktion
Warum dieses Set so gebaut ist
Hartwig versucht nicht, Schach „neu zu erfinden“. Er macht es lesbarer. Jede Figur hat eine spezifische Form und Größe, damit du Bewegung und Wertigkeit schneller erfassen kannst. So entsteht ein Schach, das methodisch ist: reduziert, eindeutig, wiederholbar.
- Einfachheit: weniger Zeichen, mehr Bedeutung.
- Funktionalität: die Form unterstützt das Spiel, nicht die Dekoration.
- Systemdenken: Figuren, Brett und Proportionen wirken als Einheit.
- Innovative Ästhetik: Schönheit entsteht aus Klarheit und Konsequenz.
Kultureller & historischer Kontext
Objekt als Teil einer größeren Bauhaus-Logik
Am Bauhaus war Gestaltung kein „Stil“, sondern ein Verfahren. Man zerlegte Dinge in ihre Bestandteile, prüfte Zweck, Material, Herstellung und Gebrauch – und baute daraus eine Form, die sich erklären lässt. Genau deshalb wirken viele Bauhaus-Objekte so selbstverständlich: Sie wollen nicht beeindrucken, sondern funktionieren und verstanden werden.
Hartwigs Schach nimmt diese Haltung ernst. Es übersetzt ein kulturell aufgeladenes Spiel – mit Königen, Kronen und Tradition – in eine neutrale, lesbare Geometrie. Die Figuren erzählen keine Historie, sie zeigen Regeln. Du erkennst die Bewegungsarten nicht durch Symbolik, sondern durch Struktur. Das macht die Komplexität nicht kleiner, aber die Orientierung klarer.
Dadurch verschiebt sich auch die Rolle des Rezipienten: Du schaust nicht nur, du liest. Das Set trainiert Aufmerksamkeit, Verhältnis und Ordnung – wie ein kleines didaktisches Modell. Es passt damit in die Bauhaus-Idee, dass Lernen über Dinge stattfinden kann: über Handhabung, Proportion und systematische Unterschiede.
Und noch etwas wird sichtbar: Bauhaus-Reduktion ist kein Verzicht um des Verzichts willen. Sie ist eine Entscheidung für Verständlichkeit. In Hartwigs Schach wird Form zur Kommunikation – ruhig, konsequent, ohne Geste. Genau diese Konsequenz macht das Objekt bis heute so modern.
- Methode statt Stil: Das Objekt ist Ergebnis eines klaren Gestaltungsprozesses.
- Regeln statt Symbolik: Formen erklären Bewegungen – nicht Rang oder Dekor.
- Lernen am Objekt: Wer spielt, übt Wahrnehmung, Ordnung und Systemdenken.
Antworten auf echte Fragen
kurz, klar, nachvollziehbar
Was ist das Bauhaus Schach?
Ein Schachset, das die Bauhaus-Logik konsequent anwendet: Figuren werden als geometrische Funktionsformen gestaltet, damit du die Zuglogik schneller erkennst. Es ist Spielobjekt und Lehrstück zugleich.
Wer hat das Bauhaus Schach entworfen?
Josef Hartwig. Der Entwurf stammt aus dem Bauhaus-Kontext (Weimar, 1923) und ist berühmt für die Idee, Bewegung in Form zu übersetzen.
Warum sehen die Figuren so reduziert aus?
Weil Ornament nicht die Aufgabe ist. Die Formen sollen zeigen, wie eine Figur zieht. Du liest das Spiel über Geometrie, nicht über symbolische Figurenbilder.
Ist das Set zum Spielen gedacht?
Ja. Es ist spielbar, gleichzeitig wirkt es im geschlossenen Zustand als skulpturales Objekt. Genau diese Doppelrolle passt zum Bauhaus: Gebrauch und Form als Einheit.
FAQ
häufige Fragen · kurze Antworten
Handelt es sich um eine autorisierte Edition? +
Aus welchem Material besteht das Set? +
Eignet sich das Schach für Kinder? +
Welche Maße hat Brett und Feldgröße? +
Video-Kontext
zwei Perspektiven · direkt eingebettet
Die Videos helfen dir, das Set nicht nur als Produkt zu sehen, sondern als Bauhaus-Idee: Klarheit, Funktion und System.
Bauhaus Schach live erleben
Das Bauhaus-Schach entfaltet seine volle Bedeutung erst im räumlichen Zusammenhang: zwischen Architektur, Lehre, Objekten und dem Denken, aus dem es hervorgegangen ist. Im Museum wird sichtbar, warum dieses Spiel nicht nur gestaltet, sondern bewusst konstruiert wurde.
Du erkennst dort, wie Bauhaus-Objekte Teil eines größeren Systems sind – verbunden mit Werkstätten, Unterricht, Wohnformen und einer klaren Haltung zu Funktion und Gesellschaft. Das Schach wird so vom Einzelstück zum Schlüssel, um Bauhaus als Methode zu verstehen.
Bauhaus Movement liefert dir die Objekt-, Wissens- und Kontextschicht. Bauhaus Experience führt dich an die Orte, an denen Bauhaus Denken räumlich erfahrbar wird und Objekte im Zusammenspiel von Architektur, Sammlung und Alltag gelesen werden können.
Bauhaus Movement liefert Kontext und Objekte. Reiseprogramme und kuratierte Itineraries werden auf Bauhaus Experience gehostet.